Too much. Simply too much.


Lies den Satz, wiederhole ihn im Kopf. Merken. Merken. Lies ihn nochmal, noch ist der Inhalt nicht verankert. Lies ihn, lies ihn, lies! Und nochmal. Kannst du ihn jetzt endlich? Es warten noch unzählige Sätze auf die gleiche Prozedur. Also weißt du nun, was in ihm steckt?
Nein. Nein, verdammt nochmal, ich weiß es immer noch nicht.
Starre das Skript an. Den Satz, fixiere ein Wort, einen Buchstaben, einen Bogen dieses Buchstabens. Starre und starre. Auf das Blatt, vor mich hin - ins Nichts.
Unfähig. Gedankenlos und doch so gedankenbeladen. Alles schwirrt mir durch den Kopf, nur nicht das, was sich in ihm herabsetzen sollte. Lernen kannst du nicht. Arbeiten? Auch nicht, Konzentration ist Mangelware. Der Chef aber ist ungeduldig. Außerdem solltest du dich mit der Arbeit beeilen, damit du bald mehr Zeit für die Wohnung hast. Die in Ordnung bringen, aufräumen, Besichtigungstermine wahrnehmen - sie hoffentlich bis zum 1. August loswerden. Übrigens, Ende Juli wird auch umgezogen, Madame. An jenen Tagen, an denen du die Hausarbeit eingeplant hattest. Die du vorher übrigens nicht schreiben kannst, weil die Zeit bis dahin sogar zu knapp ist, um für jede anstehende Klausur zu lernen.
Ich wäge ab. Welche schaffe ich ohne lernen? Prinzipiell keine. Außer die aus dem Sprachkurs mit ein wenig Glück. Okay, Schwedisch wird nicht gelernt. Schade - das hätte noch am meisten Spaß gemacht. Weiter denken, weiter, weiter! Für die restlichen muss gelernt werden. Für alle viel? JA! Unmöglich. Die Orientierungsprüfung - die sollte vorbereitet werden. Was ist mit der Prüfung übermorgen? Zählt viel. Starre immer noch das Skript an - so wird das nichts. Vielleicht solltest du doch ein wenig arbeiten. Den Bildschirm anstarren und Daten sortieren. Um danach vor lauter Kopfschmerzen nicht mehr lernen zu können. Oh yeah.
Okay. Dann was Anderes. Kümmer dich um die Interessenten für deine Wohnung. Ah, Moment, da war doch was. Handy ist ja kaputt, also kein Telefon zur Verfügung. Scheiße. Dann muss das wohl warten, bis das neue Handy angekommen ist. Womit wir gleich beim nächsten Punkt wären. Mit viel Glück wird es morgen geliefert. Der Postbote wird unten klingeln, darauf warten, dass ich an die Anlage gehe und ihm sage, welcher Stock. Falsch. Die Klingel ist nämlich KAPUTT. Die Elektriker, die sie reparieren wollten, haben meine Handynummer und wollten sich noch melden. Tja, wie schade, dass ich kein Handy habe. Was nun? Gute Frage. Hoffentlich ist DHL der Lieferant, die haben die netten gelben Abhol-Boxen. Ansonsten darf ich wasweißichwohin fahren, um mein Handy abzuholen. Weil ich morgen ja auch so viel Zeit habe, neben Schlagzeugunterricht, Vorlesung und LERNEN für die Klausur am Mittwoch. Haha. Danke liebes Leben.
Gut, wo waren wir? Achso ja, was ich noch mit meinem heutigen Tag anfange. Alles so schön geplant gehabt, nichts in die Tat umgesetzt. Weil unkonzentriert, problembeladen, voller Schwäche, Selbsthass und Einsamkeit. Und jetzt versinken wir im Blogeintrag voller Selbstmitleid? Nein. Lediglich ein Verarbeitungsversuch, um einen klaren Kopf zu bekommen. Wie ist es, jeden Tag mit all diesen Gedanken, die sich jagen, im Kreis drehen, fangen, erschießen, zusammentun und Amok laufen, durch die Welt zu hetzen und nebenbei noch lächerliche Pflichten wie Uni, Arbeit, Schlagzeug, Sport, soziale Kontakte und das Leben zu erfüllen? Das ist ja noch nicht alles. Wäre ja alles kein Problem, wenn es nicht um mich ginge.
Beladen mit Selbsthass, getrieben in die Arme von Menschen, die es nicht gibt. Einsam, nach ein wenig Zuwendung, Zuspruch und Vertrauen sehnend - und stets alleine vor der weiten See der Probleme stehend. Der Sturm zieht auf, schon seit langem. Ich warte nur noch darauf, dass er ausbricht. Ich weiß nicht, was dann passiert - ob alles heil bleibt oder verwüstet wird. Aber dieser Zustand der unerträglichen Spannung wird gebrochen werden. Das ist mehr als genug.
Ohne Selbstvertrauen, voller Selbstverachtung und mit lim x->minusUnendlich Selbstakzeptanz beladen stolpere ich durch die Welt, während diese denkt, ich sei die Perfektion in Person. Ja, denkt das nur. Es ist im Grunde genommen ein Prestige, das ich anderen voraus habe. Es tut gut, wenn Menschen anerkennend nicken. Doch es tut auch weh, gleichzeitig daran zu denken, wie wenig - nichts! - sie über dich wissen.
Ich gehe unter. Langsam.
Wo fange ich an? Ich glaube, ich gehe lernen. Vielleicht legt dieser Blogeintrag endlich den Sorgenschalter um und ich kann mich endlich darauf konzentrieren, die Probleme zu lösen - anstatt mich von ihnen unterkriegen zu lassen.
Liebe Leute - bitte wünscht mir Glück. Es ist nicht schön, so ganz alleine dazustehen. Nicht, wenn man vor einer Herausforderung steht, die man so groß noch nie erlebt hat. Nicht, wenn man mit sich selbst hadert und sich am liebsten ausgelöscht sehen würde. Das ist alles ganz und gar nicht schön.
11.7.11 17:45