Home is where your heart is.



Definately not here.

Der erste Tag ist noch nicht einmal vorbei. Dennoch - ich sitze am Fenster, blicke abwesend auf die fahle Reflexion meines tränenverseuchten Gesichtes. Erinnerungen an den Tag steigen hinauf, vermischen sich mit jenen an die vergangenen Wochen. Im Vergleich - die Vergangenheit beinahe Perfektion. Die Gegenwart, nur Qual.
Wie sie mich heute ansahen. Wie sie mich immer ansehen - so unangenehm, so erniedrigend. Als wäre in ihrem Blick ständig dieser stille Hohn. Nur weil ich anders bin. Ein Fremder. Den sie selbst zum Fremden machen. Ingroup vs. Outgroup. Nur dass ich allein die Outgroup darstelle.
Der Hass auf den Geruch der Stadt. Auf das Erscheinungsbild der Läden. Die Stimmen der Menschen, des Pflasters der Straßen, jedes verdammte Lächeln, das mir entgegenkommt. Doch, liebe Stadt, nun habe ich begriffen. Es liegt nicht an dir. Es liegt an den Menschen hier, an mir. Der Inkompatibilität zwischen den beiden Parteien. Nur weil ich anders bin.
Diese Momente der Sehnsucht. Fortzugehen, irgendwohin, wo mich ein neues Zuhause empfängt. Oder zurück in das alte. Wo du bist. Ja, diese Momente sind die schlimmsten. Wenn ich merke, wie einsam ich hier doch bin. Wie unerwünscht. Ist es dann Zufall, dass es mich gerade dann zu dir treibt? Bei dir war ich erwünscht. Bin es womöglich noch immer. Bei dir kann ich sein, wer ich bin. Mein ganzes Wesen entfalten, voller Leichtigkeit, ohne große Sorge. Weil ich weiß, dass du - einem Engel gleich - immer diesen vertrauten Ausdruck in deinen Augen haben wirst, wenn du in die meinigen blickst. Vertrauen, Bewunderung, Akzeptanz, Neugier, Liebe. Vermischt zu einem perfekten Elixier, das mich zur Zeit am Leben erhält. Falls du das hier liesen solltest... ich mache keine Späße, übertreibe nicht. Es gibt zur Zeit nichts, was mich auf dieser Welt noch hält. Der einzige feste Punkt, an den ich mich klammern könnte (dürfte?), bist einzig und allein du. Kilometerweit weg. Was ist das für ein Gefühl, einen ganzen Abschnitt des eigenen Lebens in den Sand gesetzt zu haben? Es ist schrecklich. Doch schrecklicher ist nur noch das Gefühl dabei, dies dem Menschen zu sagen, den man zurückgelassen hat. Der nun die einzige Rettung wäre. Dieser Schmerz - so lange schon tief in mir vergraben. Zunächst chronisch, jetzt akut. Und er wird immer schlimmer. Ich weiß nicht mehr weiter. Ich weiß einfach nicht mehr weiter... Schwach und vom Kummer geblendet endet jeder Gedanke in dem Wunsch, du würdest mich in deinen Armen halten. So kindisch, so nutzlos. Doch ich kann nicht anders.
Wärst du doch jetzt bloß bei mir...

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"Hold back time - keep me here. / Take the longing from me."
19.9.11 20:47